Was mich berührt in meiner Arbeit als Coach / Therapeut

pexels-photo-395085.jpegIch denke gerade darüber nach, was mich berührt, wenn ich Klienten/innen coache.

Mich berührt sehr stark, wenn ich spüre, dass Klienten Innnerlich kämpfen mit sich, aber keinen Ausdruck dafür finden. Weil sie gelernt haben, dass ihr Schmerz keinen Platz findet in der Welt da draußen. Wenn Die Eltern zu beschäftigt waren, ihre eigenen Wunden zu lecken.
Wenn schwere Glaubenssätze aus der Kindheit wie „Indianer kennt keinen Schmerz“ oder „Du bist mir zu viel, wenn Du jetzt weinst oder wütend bist“ einen für die Heilung zu notwendiger Ausdruck von Schmerz, und Wut und Trauer verhindern. Neulich beobachtete ich eine Klientin in meiner Praxis in der Pause, wie Sie ständig an sich runter schaute mit einem missbilligenden Blick. Sie zeigte Anzeichen von Hospitalismus* d.h. emotionaler Vernachlässigung (ständiges Vor- und Zurückbewegen des Oberkörpers).
Sie war 24, Deutsch-Iranerin, hochintelligent, konnten sich aber nicht auf dem Arbeitsmarkt etablieren. Zuviel Energie war gebunden an die Mutter, für die sie sich verantwortlich fühlte. Und sie konnte nicht weinen. Als ich sie beobachtete, kamen mir die Tränen. Ich teilte ihr das mit. Sie begann zu weinen zum erstem Mal seit Jahren und es zeigte sich die ganze Scham dahinter, sich nicht traurig oder schwach zeigen zu dürfen. Die Erschöpfung, diesen Zustand zu halten- über Jahrzehnte. Das kostet Kraft, die ihr bei der Arbeitssuche fehlt. Ich bin berührt, weil ich diesen Zustand kenne. Das Reaching, das bedeutet die Fähigkeit, eigene Bedürfniss zu äußern fehlt, und muss nachgelernt werden. Das dauert. Manchmal ein Leben lang.
Mich berühren die Biographien von geflüchteten Menschen. Komischerweise komme ich besser mit psychiatrischen Fällen wie Schizophrenie, starke Ängste und Depressionen zurecht bei meinen Klienten. Hier habe ich viel Erfahrung sammeln dürfen als Therapeut im Berliner Krisendienst. Auch wenn ich hier nicht behandeln durfte und weitervermittelt habe an Psychiater und klinische Therapeuten, gehen mir die Geschichten nicht so nah. Auch wenn diese Biographien teils sehr tragisch sind. Monatelang nicht das Haus verlassen aufgrund von Ängsten und Depressionen, die ständige Angst bei Schizophrenie, die Wohnung wird überwacht, draußen stehen Einbrecher. Diese Krankheiten können ein ganzes Leben zerschmettern. Nachhaltig.
Aber die Erlebnisse von Geflüchteten treffen mich mitten ins Herz.
Der Vater im Beisein seiner Tochter an der Grenze in den Kopf geschossen. Der Lebenspartner in einer schwulen Partnerschaft vor den Augen des Freundes auf offener Straße im Heimatland erschossen. Vom Flüchtlingsboot gestoßen und die Nacht im offenen Wasser verbracht.
Der kleine Bruder, der zurückgelassen werden musste in Syrien und dort jetzt schlecht zurechtkommt. Und die große Schwester hier in Berlin, die fast durchdreht vor Angst und Sorge.
Meine emotionale Anteilnahme bringt Heilung bei meinen Klienten, so wird mir berichtet. Menschen wollen gehört und gesehen werden in Ihrem Schmerz. So geht es mir auch.

Es gibt aber auch Fälle, die mich nicht so berühren, sondern eher sprachlos machen.
Wie ein Firmeninhaber, der mich neulich für sein Team beauftragte, dort Supervision zu machen.
Er fand, sein Team sei so wenig kreativ und unbeweglich. Irgendwie erstarrt. Ich sollte „die“ doch mal wieder in Bewegung bringen.
Ich hock da also zur ersten Sitzung im Team, und frag was so los ist. Ich frage, wie das Team so den Führungsstil des Chefs beschreiben würde. Die Antwort: nordkoreanisch….

Hospitalismus* kommt überall dort vor, wo Menschen zu wenig (Vernachlässigung) oder negative (Ablehnung) emotionale Beziehungen (Bindungsstörung) erhalten. Das kann bei Personalmangel in Alten-, Pflege- und Kinderheimen, in Krankenhäusern der Fall sein. Es ist auch in Familien anzutreffen, in denen die Eltern mit der Pflege der Kinder überfordert sind oder diese aus irgendwelchen Gründen ablehnen und sie deshalb schwerer physischer und psychischer Vernachlässigung oder Misshandlung ausgesetzt sind. (Wikipedia).

 

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